Beim Kamerakauf stößt du schnell auf Begriffe wie HLG und RAW‑Video. Die Hersteller werben mit vielen Aufnahmeformaten. Für Einsteiger mit technischem Interesse kann das verwirrend sein. Du fragst dich wahrscheinlich: Brauche ich HDR oder lieber RAW? Welche Kamera liefert das, was ich für meine Projekte wirklich brauche? Und wie viel Nachbearbeitung ist nötig?
Typische Probleme sind unklare Spezifikationen und hohe Datenraten. HLG wird oft als einfache HDR-Lösung präsentiert. RAW dagegen verspricht maximale Flexibilität in der Postproduktion. Beide Formate haben Vor- und Nachteile. HLG ist meist leichter in den Workflow einzubinden. RAW liefert mehr Bildinformationen, verlangt aber Software und Rechenleistung. Für viele Nutzer entscheidet nicht nur die Kamera. Auch Speicher, Schnittsoftware und Monitor spielen eine Rolle.
Dieser Artikel hilft dir, schnell zu erkennen, welche Kameras HLG oder RAW‑Video unterstützen. Du bekommst klare Orientierung statt Marketingwörter. Die Informationen sind praxisnah. Am Ende kannst du besser einschätzen, welches Format für dein Projekt sinnvoll ist und welche Kamera zu deinen Anforderungen passt.
Im Anschluss findest du Vergleichstabellen zu Kameramodellen, Kapitel zu typischen Anwendungsfällen, eine FAQ mit Praxisfragen und ein kurzes Glossar wichtiger Begriffe.
Vergleich: Unterstützung für HLG und RAW‑Video
In diesem Abschnitt siehst du konkrete Kameramodelle im Vergleich. Die Tabelle zeigt, ob eine Kamera HLG unterstützt. Sie zeigt außerdem, ob und wie RAW‑Video möglich ist. So erkennst du auf einen Blick, welche Geräte für welchen Workflow passen. Die Angaben konzentrieren sich auf reale, verbreitete Modelle. Sie nennen native Codecs, maximale RAW‑Auflösung und praktische Hinweise für Aufnahme und Nachbearbeitung.
| Modell | HLG | RAW‑Video | Native Codecs / Container | Max. RAW Auflösung / Framerate | Farbtiefe / Bitrate | Intern / Extern | Praxisnota |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Sony A7S III | Ja | extern | ProRes RAW (via Atomos), XAVC‑S, XAVC HS | 4K bis 60p (RAW via HDMI) | ProRes RAW ~12‑Bit | Extern (Recorder) | Sehr gute Low‑Light‑Leistung. Für RAW benötigst du einen Rekorder wie Atomos Ninja V und schnelle SSDs. Große Dateien. |
| Panasonic S1H | Ja | extern | ProRes / ProRes RAW (via Atomos), V‑Log | 5.9K bis 30p oder 4K bis 60p (RAW via HDMI) | 12‑Bit (ProRes RAW) | Extern (Recorder) | Stark für Kinofilm‑look. RAW erfordert externen Rekorder und schnellen Workflow. Gute Stabilität für lange Takes. |
| Canon EOS R5 | Ja | intern | Canon RAW Light / Cinema RAW Light, H.265 | 8K bis 30p (intern RAW Light) | 12‑Bit (Cinema/RAW Light) | Intern | Interne RAW‑Aufnahme möglich, aber Hitze und Aufnahmelimits beachten. Sehr hohe Datenraten und starke Hardware nötig. |
| Blackmagic Pocket 6K Pro | Nein | intern | Blackmagic RAW (BRAW), ProRes | 6K bis 50p (abhängig vom Modus) | 12‑Bit (BRAW) | Intern (CFast / SSD über USB‑C) | Sehr filmorientierter Workflow. BRAW ist effizient. Du brauchst schnelle Medien und ein gutes Backup‑System. |
| Panasonic S5 | Ja | extern | ProRes RAW (via Atomos), H.265, V‑Log | 4K bis 60p (RAW via HDMI) | 12‑Bit (ProRes RAW) | Extern (Recorder) | Kompakte Vollformatoption. Für RAW brauchst du Recorder und schnelle Karten. Gut für Dokumentationen und hybride Einsätze. |
Fazit: Die Wahl hängt vom Workflow ab. Wenn du maximale Flexibilität willst, sind interne RAW‑Kameras wie die R5 oder Blackmagic‑Modelle sinnvoll. Für einfachere HDR‑Workflows ist HLG in vielen Kameras verfügbar. Beachte stets Zubehör wie Rekorder, schnelle Medien und passende Schnittsoftware.
Entscheidungshilfe: Welche Kamera und welcher Workflow passt zu dir?
Leitfragen zur schnellen Auswahl
Benötige ich ProRes/RAW intern oder reicht extern?
Internes RAW spart dir einen externen Rekorder und vereinfacht den Set‑Aufbau. Intern bedeutet oft höhere Datenraten und Wärmeentwicklung. Extern ist flexibel. Wenn du bereits einen Atomos‑Rekorder oder ähnliche Hardware nutzt, reicht extern für viele Anwender.
Ist Farbkorrektur und Grading ein fester Teil meines Workflows?
Ja: Dann lohnt sich eine Kamera mit internem RAW oder effizienten RAW‑Containern wie BRAW. Du bekommst mehr Spielraum bei Belichtung und Farbe. Nein: HLG oder Log mit 10‑Bit Aufnahmen kann ausreichend sein. Diese Formate sparen Speicher und vereinfachen die Postproduktion.
Wie wichtig sind Mobilität und Aufnahmezeit?
Wenn du lange Takes oder leichte Ausrüstung brauchst, sind Kameras mit interner Aufnahme oder geringeren Datenraten besser. RAW erzeugt große Dateien. Das wirkt sich auf Akkulaufzeit, Speicher und Backup aus.
Unsicherheiten bedenken
Speicherplatz und Backups sind oft unterschätzt. Plane schnelle Medien und eine Backup‑Strategie. Rechnerleistung: RAW‑Material braucht starke Hardware zum Bearbeiten. Kompatibilität: Achte auf gängige Codecs in deiner Schnittsoftware. Proprietäre Formate können zusätzlichen Konvertierungsaufwand bedeuten.
Fazit: Wenn du maximale Bildkontrolle willst und die Hardware dafür hast, setze auf eine Kamera mit RAW‑Support. Für schnellen Workflow und geringere Datenraten ist HLG oder Log mit 10‑Bit praktischer.
Typische Anwendungsfälle: Wann HLG, wann RAW?
Ob HLG oder RAW‑Video sinnvoll ist, hängt vom Projekt ab. Beide Formate haben klare Stärken. HLG bietet schnellen HDR‑Output mit geringerer Nachbearbeitung. RAW liefert maximale Eingriffsmöglichkeiten in Belichtung und Farbe. Im Folgenden beschreibe ich konkrete Szenarien aus dem Alltag. So siehst du, welches Format welche Vorteile bringt. Ich nenne auch die wichtigsten Kompromisse und welche Kameraeigenschaften du beachten solltest.
Event- und Hochzeitsvideo
HLG ist hier oft praktisch. Es vereinfacht die Ausgabe in HDR fähige TVs und Plattformen. Die Nachbearbeitung bleibt überschaubar. Du sparst Speicher und Zeit. RAW bietet zwar mehr Flexibilität beim Grading. Aber die großen Dateien und der erhöhte Workflowaufwand sind bei Live‑Einsätzen hinderlich. Entscheide dich für HLG, wenn du schnelle Lieferzeiten hast und viel Material in kurzer Zeit. Achte auf gute Low‑Light‑Performance, 10‑Bit Aufzeichnung und zuverlässige Autofokusfunktionen.
Werbefilm und Commercial
Hier ist RAW oft die bessere Wahl. Du brauchst präzise Hauttöne und volle Kontrolle beim Grading. RAW ermöglicht komplexe Looks ohne Qualitätsverlust. Nachteile sind hohe Datenraten und längere Postproduktion. Wenn das Budget knapp ist oder schnelle Korrekturen gefragt sind, reicht HLG oder Log mit hoher Bitrate. Wichtig sind eine Kamera mit internem RAW oder eine stabile HDMI/SDI‑Ausgabe für Rekorder, sowie hochwertige Objektive und Farbmanagement.
Dokumentation
Bei Dokus kommt es auf Flexibilität und Aufnahmezeit an. HLG und Log sind praktisch für lange Drehs. Sie sparen Platz und reduzieren den Bedarf an externen Rekordern. RAW ist wertvoll, wenn du später Archivmaterial intensiv nachbearbeiten willst. Beachte die Mobilität. Lange Akkulaufzeit, große Speicherkapazität und robuste Aufnahmelösungen sind hier entscheidend.
Indie‑Kino
Für unabhängige Filme ist RAW oft die erste Wahl. Der Filmlook, feine Tonwertabstufungen und hoher Dynamikumfang sind wichtig. RAW erlaubt kreative Gradings und Retuschen. Kompromisse sind Kosten für Speicher und starke Schnittsysteme. Achte auf Sensorgröße, interne RAW‑Aufnahme oder kontrollierte externe Rekorder und auf zuverlässige Belüftung der Kamera bei langen Takes.
Vlog und Web‑Content
HLG oder Log sind meist ausreichend. Du profitierst von geringeren Dateigrößen und schnellerem Upload. RAW ist selten nötig bei täglichem Content. Nutze HLG, wenn du HDR‑fähige Plattformen oder Displays bedienen willst. Für mobilere Setups sind leichte Kameras mit stabiler interner Aufnahme und guter Autostabilisierung wichtig.
Zusammengefasst ist RAW ideal, wenn maximale Bildkontrolle und kreatives Grading im Vordergrund stehen. HLG ist die praktischere Lösung für schnelle Workflows, längere Aufnahmen und geringeren Hardwareaufwand.
Häufige Fragen zu HLG, RAW‑Video und Kameras
Was ist der Unterschied zwischen HLG und RAW‑Video?
HLG ist eine HDR‑Aufzeichnung mit festem Tonemapping. Sie liefert direkt brauchbare Bilder mit erweitertem Dynamikumfang. RAW speichert rohe Sensordaten. RAW gibt dir viel mehr Spielraum beim Grading, erfordert aber zusätzliche Verarbeitung und größere Datenmengen.
Ist internes RAW besser als externes RAW?
Internes RAW macht den Set‑Aufbau einfacher. Du brauchst keinen zusätzlichen Rekorder und hast weniger Kabel. Externes RAW über HDMI/SDI erlaubt oft höhere Auflösung oder längere Aufnahmen. Es ist flexibler, kostet aber mehr und erhöht die Komplexität.
Wie groß sind RAW‑Dateien und wie plane ich Speicherplatz?
RAW‑Dateien sind deutlich größer als HLG oder H.264. Du kannst mit mehreren Gigabyte pro Minute rechnen, je nach Auflösung und Bitrate. Plane schnelle SSDs und ein klares Backup‑System ein. Arbeite mit Proxies, wenn dein Schnittrechner langsam ist.
Welche Kameramodelle unterstützen HLG oder RAW?
Viele aktuelle Modelle bieten HLG. Beispiele sind Sony A7S III, Panasonic S1H und Canon EOS R5. RAW gibt es intern bei Kameras wie der Blackmagic Pocket 6K Pro oder intern/extern bei der R5. Oft ist RAW nur per externem Rekorder möglich, deshalb prüfe die Herstellerangaben genau.
Wie aufwändig ist die Nachbearbeitung von RAW im Vergleich zu HLG?
RAW erfordert mehr Zeit fürs Grading und stärkere Hardware zum Bearbeiten. HLG ist schneller in der Post und kommt oft mit weniger Aufwand zu guten Ergebnissen. Für anspruchsvolle Farbarbeit ist RAW klar vorteilhaft. Wenn du schnell liefern musst, ist HLG praktischer.
Technische Grundlagen: HLG versus RAW
Was ist HLG?
HLG steht für Hybrid Log‑Gamma. Es ist eine Tonwertkurve für HDR‑Video. HLG kodiert Bildinformationen so, dass HDR‑fähige Displays mehr Dynamikumfang anzeigen. Auf SDR‑Bildschirmen bleibt das Ergebnis akzeptabel. HLG speichert kein rohes Sensormaterial. Es ist ein fertig verarbeitetes Bildformat mit geringerer Nachbearbeitungsanforderung.
Was ist RAW‑Video?
RAW meint direkte Sensordaten ohne Kamera‑Bildergebnis. Du bekommst die Rohdaten und kannst Weißabgleich, ISO und Tonemapping später frei bestimmen. RAW ist in der Regel 12‑Bit oder höher. Das ermöglicht feinere Abstufungen und mehr Reserven im Highlight‑ und Schattenbereich.
Dynamikumfang und Bit‑Tiefe
Dynamikumfang wird in Blendenstufen gemessen. RAW bewahrt in der Regel mehr Stufen als komprimierte Formate. Das zeigt sich besonders in Highlights und tiefen Schatten. Bit‑Tiefe ist entscheidend. 8‑Bit limitiert die Farbabstufung. 10‑Bit ist für HLG/Log sinnvoll. 12‑Bit oder mehr ist typisch für RAW und bietet echten Spielraum beim Grading.
Kompression und Dateigrößen
HLG wird oft als H.264/H.265 oder ProRes mit Hardwarekompression gespeichert. Die Dateien sind vergleichsweise klein. RAW‑Formate wie CinemaDNG, ProRes RAW oder BRAW komprimieren anders. Sie können von einigen hundert Megabyte bis zu mehreren Gigabyte pro Minute reichen. Die genaue Größe hängt von Auflösung, Framerate und Codec ab. Plane schnelle NVMe‑SSDs und ein Backup‑Konzept ein.
Workflows: intern versus extern
Internes RAW speichert direkt in der Kamera. Das ist bequem, aber manche Kameras haben Aufnahmegrenzen oder Hitzeprobleme. Externes RAW über HDMI/SDI mit einem Rekorder erlaubt höhere Datenraten und längere Aufnahmen. Extern braucht mehr Kabel und Strom. Beide Wege erfordern passende Recorder, schnelle Medien und oft zusätzliche Software für das Konvertieren.
Auswirkungen auf Nachbearbeitung und Ergebnis
Mit RAW erhältst du maximale Kontrolle im Grading. Du kannst Belichtung und Farbe weitreichend korrigieren. Das kostet Zeit und starke Hardware. HLG ist schneller in der Post. Du erhältst sofort nutzbare HDR‑Bilder mit weniger Aufwand. Für professionelle Looks ist RAW oft besser. Für schnelle Lieferungen und geringeren Speicherbedarf ist HLG praktischer.
Für die Postproduktion brauchst du ausreichend RAM, eine aktuelle CPU oder GPU‑Beschleunigung, und schnelle Massenspeicher. Arbeite mit Proxies, wenn die Hardware am Limit ist. So kombinierst du Flexibilität und effiziente Bearbeitung.
Glossar: Zentrale Begriffe zu HLG und RAW
HLG
HLG steht für Hybrid Log-Gamma. Es ist eine HDR-Tonwertkurve, die HDR-Displays mehr Dynamikumfang liefert und gleichzeitig auf SDR-Bildschirmen akzeptabel aussieht.
RAW‑Video
RAW‑Video enthält die ungefilterten Sensordaten der Kamera ohne kamerainterne Bildverarbeitung. Es erlaubt flexiblen Weißabgleich und umfangreiches Grading, erzeugt aber deutlich größere Dateien und braucht mehr Rechenleistung in der Postproduktion.
Log‑Profile
Log‑Profile wie S‑Log oder V‑Log komprimieren Helligkeitsinformationen auf eine flache Kurve, um mehr Dynamikumfang zu erhalten. Das Material wirkt zunächst kontrastarm und muss mit Grading oder LUTs angeglichen werden.
Bit‑Tiefe
Die Bit‑Tiefe beschreibt, wie viele Abstufungen pro Farbkanal gespeichert werden. Höhere Werte wie 10‑Bit oder 12‑Bit verhindern Banding und bieten mehr Spielraum beim Farbabgleich als 8‑Bit.
ProRes RAW
ProRes RAW ist ein komprimiertes RAW‑Format von Apple, das Rohdaten effizienter speichert als unkomprimierte RAW‑Formate. Es verbindet die Flexibilität von RAW mit moderateren Dateigrößen, wird aber nicht von allen Programmen nativ unterstützt.
LUT
Eine LUT ist eine Look‑Up‑Table, also eine vordefinierte Farbumsetzung. Du kannst damit schnell einen bestimmten Look auf Log‑ oder RAW‑Material anwenden oder das Bild für die Weiterverarbeitung vorbereiten.
